Passivhaus aus Holz und Stroballen

Bild "Nachhaltig Bauen:maas0.jpg"Das eigene Haus kann schon was Besonderes sein. Für einen Architekten ist das fast schon Pflicht. Ein Passivhaus musste es werden, dass war klar. Die Gebäudeform wurde weitestgehend vom Bebauungsplan bestimmt. Mitten in der Planungsphase wurde ich auf die Strohballenbauweise aufmerksam. Strohballen sind überall günstig zu bekommen. Sie können unter fachlicher Anleitung in Eigenleistung oder von Helfern eingebaut werden. Sie sind eine gute Wärmedämmung, gesundheitlich unbedenklich und ökologisch sehr sinnvoll. In Deutschland gibt es mittlerweile etwa 120 Gebäude aus Strohballen. Weltweit sind es Tausende. Also genial, oder alles nur Quatsch? Ausführliche Informationen zum Strohballenbau sind auf der Seite des Fachverbandes Strohballenbau Deutschland e.V. zu finden. Nach mehreren problemlosen Wintern kann ich diese Bauweise nur empfehlen.

Konstruktion

Die Außenwände und die Geschossdecke bestehen aus massiven Holzelementen, sogenanntes Brettsperrholz (zum Hersteller)auch als Kreuzlagenholz bekannt. Die gehobelten Holzoberflächen sind unbehandelt und bleiben innen sichtbar. Außen sind alle Anschlüsse luftdicht verklebt worden. Vor diese Wände wurde die Wärmedämmung aus normalen kleinen Strohballen `gemauert` und am Holz festgebunden. Ein mehrlagiger Kalkputz der direkt auf die Strohballen aufgetragen worden ist, schützt das Stroh vor der Witterung, Feuer und Mäusen. Die Giebelflächen haben zusätzlich eine Verschalung aus Lärchenholz erhalten. Obwohl bisher keine Schäden an den verputzten Strohballen entstanden sind, empfehle ich eine hinterlüftete Fassade als Wetterschutz. So bleibt das Stroh sicher trocken und das Gebäude kann 100 Jahre und länger erhalten werden. Auch der Fußboden im Erdgeschoss wurde mit Strohballen gedämmt.
Die Dachkonstruktion besteht aus Stegträgern, innen einer OSB-Platte und außen einer DWD-Platte. Die Gefache wurden vor Ort mit Zelluloseflocken ausgeblasen. Mit der heutigen Erfahrung würde ich auch das Dach mit Strohballen dämmen. Die Dachdeckung besteht aus glatten Tonziegeln

Haustechnik

Wie im Passivhaus üblich wurde zur Warmwasserbereitung und als Heizungsunterstützung eine Solaranlage mit Vakuumröhrenkollektoren und einem Schichtenspeicher (1.000l) installiert. Die Wärme aus dem Schichtenspeicher kann über ein Heizregister an die kontrollierte Lüftungsanlage abgegeben und mit der Zuluft im Haus verteilt werden. Zusätzlich befindet sich im Wohnraum ein raumluftunabhängiger Kaminofen für Stückholz, der seine Wärme zu 1/4 (max. 2000 Watt) direkt an die Raumluft und zu 3/4 an den Schichtenspeicher abgibt. Für Heizung und Warmwasser werden ca. 3,5 rm Holz (Fichte lufttrocken) im Jahr verbraucht.

Baukosten

Die Baukosten betragen einschließlich der Nebenkosten und der MwSt. ca. 185.000,- €. Das sind 1.225,-€/m2. Der Innenausbau und natürlich die Planung wurden zum großen Teil in Eigenleistung erbracht. Für ein konventionelles Wohnhaus mit ~151 m2 Wohnfläche waren 2005 vergleichbare Baukosten zu erwarten. Das Passivhaus wurde durch die KFW zweifach mit einem zinsgünstigen Kredit in Höhe von 50.000,- € gefördert. Für die Solarkollektoren gab es einen Zuschuss von 135,- €/m2 Kollektorfläche. Die Schalldämmung der Innenwände aus Hanfmatten wurde mit 35,- €/m3 gefördert.

Fotos







Auszug aus einem Vortrag

Das Gebäude habe ich auf der 4. Norddeutschen Passivhauskonferenz vorgestellt. Hier geht es zum entsprechenden Auszug aus diesem Vortrag